Zwischen Wahnsinn und Weisheit
Manche Seelen, die außerhalb der gesellschaftlichen Definitionen von „normal” stehen und mit außergewöhnlicher Tiefe existieren, werden oft als „verrückt” abgestempelt, weil sie nicht verstanden werden. Manchmal werden sie sogar hinter die stillen Mauern psychiatrischer Einrichtungen verbannt.
Dabei sind diese Menschen Seelen, die das brennende Licht der Wahrheit tiefer in sich aufnehmen als andere. Sie verzehren sich durch ihre Fragen und hören selbst in der Antwortlosigkeit nicht auf zu suchen. Für sie ist die Welt nicht nur ein gewöhnlicher Lebenszyklus.
Auf dieser Reise werden sie vor allem in Geduld geprüft. Während sie versuchen, die Ungerechtigkeiten, das Böse, den Schmerz und die Hilflosigkeit, die ihnen widerfahren, einzuordnen, und während sie mit unsichtbaren Wunden und unbeschreiblichen Qualen ringen, flüchten sie sich, getrieben von einer tiefen Sehnsucht nach Verstandenwerden, in die Einsamkeit, die das Unverstandensein ihnen bietet.
Der tiefste Verstand, die erschütterndste Wahrheit, keimt in jenen stillsten Winkeln. Denn jener Zustand, den man für Wahnsinn hält, ist in Wahrheit nichts anderes als die innere Antwort einer Seele, die das Gewicht der Wahrheit nicht tragen kann und versucht, das Erlebte zu begreifen.
Während diese Bemühung um Sinn ihre Seelen tief erschüttert, verlieren sich manche und verschwinden. Jene Seelen jedoch, denen es gelingt, das Verschwinden zu überwinden, kehren zurück, um genau jener Gesellschaft, die sie als unvernünftig gebrandmarkt hatte, in ihrer Suche nach der Wahrheit beizustehen. Auch das ist eine Art Wahnsinn.
Und diejenigen, denen diese Führung gelingt, nennen wir weise.