Werden ist eine neue Form des Unterwegsseins
Es gibt auch mächtige Systeme, die die Moral nicht auf der Ontologie begründen, und in diesen Systemen kann Moral unabhängig vom „Was-ist“ etabliert werden. Die Ontologie stützt sich auf die Epistemologie, die Epistemologie beinhaltet ontologische Annahmen, und die Ethik wird von beiden beeinflusst. Selbst zu sagen „Die Wahrheit existiert“, ist eine epistemische Behauptung.
Im Kontext der Wahrheit wird das „Werden“ oft als eine Art Vollendung dargestellt. Doch Werden verweist nicht auf Abgeschlossenheit, sondern darauf, dass sich die Qualität des Gehens verändert. Selbst dort, wo der Mensch das Gefühl hat, der Vollendung nahe zu sein, ist er noch immer unterwegs.
Nur der Schmerz der Suche mag sich verändert, das brennende Verlangen einer tiefen Ruhe Platz gemacht haben. Aus diesem Grund bedeutet „Werden“ nicht das Erreichen des Ziels, sondern der Übergang in eine neue Form des Unterwegsseins. Selbst das Gefühl der Vollendung ist nur eine Zwischenstation auf dieser Reise, nicht ihr Ende.