Warte nicht auf Inspiration
Auf Inspiration zu warten ist ebenfalls Teil des Versuchs, dem erlittenen Leid einen Sinn zu geben. Doch manchmal können wir wie eine auf den Boden gefallene Weintraube vergehen, ohne einem Lebewesen Nahrung zu werden, ohne uns mit der Erde zu verbinden und einem neuen Leben eine Tür zu öffnen. Nicht jede Mühe findet eine Antwort, und nicht jede Wunde führt uns zum Geheimnis der Wahrheit.
Vielleicht erreichen wir das Wissen des Herzens nicht. Vielleicht wird uns kein Anteil am Wissen des Verborgenen zuteil. Das erlittene Leid ist kein Zeichen dafür, dass wir dies verdienen oder dass wir auserwählt sind. Denn solche tiefen Gaben offenbaren sich nicht durch die Geduld eines Kindes, das auf eine Belohnung wartet, sondern durch die Standhaftigkeit, die man zeigt, während man sich verändert, verwandelt, fällt und wieder aufsteht. Vielleicht offenbaren sie sich auch nie.
Deshalb müssen sowohl das Ziel als auch das Mittel klar sein. Auf dem Weg zu sein ist wertvoll, aber nicht immer ausreichend. Dem Weg gerecht zu werden bedeutet, sich innerlich zu verändern und die Wahrheit langsam, Schicht für Schicht, zu tragen. Das ist oft alles andere als leicht.
Und nachdem man mit solchem Wissen vertraut geworden ist, die Welt weiterhin so zu leben, wie sie ist, ist vielleicht die schwerste Last, die stillste und zugleich tiefste Prüfung.
Wolltest du zum Beispiel jemals an Hızırs Stelle sein? Auf einer Bewusstseinsebene zu leben, auf der es niemanden gibt, der dich verstehen könnte. Mit dieser Einsamkeit zurechtzukommen und sogar allein mit dem Gewicht dieses Gedankens.
Warte nicht auf Inspiration. Wenn die Zeit gekommen ist, wird sie dich finden. Jeder kommt mit seinem Anteil und nimmt nur so viel auf, wie sein Gefäß fassen kann.