derbân Özlem Dilek
Cengiz
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Reflexion SPIRITUELL 7 Min

Drei Bewusstseinsformen, eine Wahrheit

Ein Mensch kann heute irgendeiner Religion angehören und seine Religiosität dennoch mit einem Bewusstsein leben, das dem der Tora ähnelt. Für ihn wird Religion eher um Regeln, Verbotenes und Erlaubtes, Verbot und Erlaubnis, Form und Gehorsam herum aufgebaut. Die Wahrheit wird auf die richtige Anwendung von Geboten reduziert, und das Gefühl von Sicherheit entsteht dadurch, die Ordnung nicht zu stören.

Ein anderer Mensch kann seine Religion mit einem Bewusstsein leben, das dem des Evangeliums ähnelt. Dort tritt die Regel in den Hintergrund, und die Beziehung tritt in den Vordergrund. Religion wird eher als innerer Zustand gelebt. Liebe, Vergebung, Herzensnähe und emotionale Erfahrung werden entscheidend. Dies ist nicht nur im Christentum zu beobachten. Auch in der New Age Mystik und in bestimmten sufischen Wegen lässt sich derselbe Geist erkennen.

Im Bewusstsein des Korans werden Transzendenz und Nähe gleichzeitig getragen. Durch tanzih wird Allah als einzigartig und absolut transzendent begriffen. Durch tashbih wird Allah als nah, beziehungsfähig und innerlich erfahrbar erlebt. Im sufischen Denken wird tawhid dadurch verstanden, dass diese beiden Aspekte einander nicht ausschließen. Es soll erkannt werden, dass das Transzendente und das Nahe in Wahrheit zwei Sprachen derselben einen Wahrheit sind.

Dennoch ist es möglich, dass ein Mensch nur in tanzih verharrt. Gott kann dann als fern, streng und ausschließlich herrschend erfahren werden. Ebenso ist es möglich, dass er sich nur in tashbih flüchtet. Dann wird Gott so stark verinnerlicht, dass Er beinahe zu einem rein psychologischen Begriff wird.

Das sehen wir auch im Alltag. Manche bauen ihre Religiosität fast vollständig auf Regeln auf. Manche leben sie nur aus dem Gefühl heraus. Manche verweilen in metaphysischer Sprache. Manche führen ihre Anbetung wie eine bloße Routine fort.

Deshalb begegnen sich die Religion, der ein Mensch angehört, und das Bewusstsein, in dem er lebt, nicht immer auf derselben Ebene. Ein Jude kann mit einem Bewusstsein leben, das dem des Evangeliums ähnelt. Ein Christ kann ein Bewusstsein in sich tragen, das dem der Tora ähnelt. Ein Muslim erhebt sich vielleicht nie zu dem Horizont, den das Bewusstsein des Korans eröffnet.

Vielleicht wird das, was yaqīn genannt wird, mit Musa erlebt und mit Hızır verstanden. Vielleicht kann man illā nicht sagen, ohne zuvor lā verinnerlicht zu haben. Vielleicht muss sich der Mensch zuerst von jedem Götzen in seinem Inneren befreien.

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