Code und Worte, beides leere Seiten
In meinem Leben stehen Softwareentwicklung und Literatur Seite an Seite. Nicht als Gegensätze, sondern als zwei unterschiedliche Wege, die mich zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin. Während ich mich in der Welt der Software mit Logik und Analyse bewege, gehe ich in der Literatur der Bedeutung nach und finde mich in der Kraft der Sprache wieder.
In beiden Bereichen wird eine Welt erschaffen, die zuvor nicht existierte. In dem einen durch Code, in dem anderen durch Worte. Die Fähigkeit, in der Literatur einen Gedanken oder eine Philosophie mit möglichst wenigen und zugleich wirkungsvollen Worten auszudrücken, hat mich gelehrt, auch beim Schreiben von sauberem Code dieselbe Sorgfalt und dasselbe Ziel zu verfolgen.
Die größte Gemeinsamkeit dieser beiden Welten ist die Abstraktion. Einerseits prägt die Abstraktion, also das Bestreben, komplexe Wirklichkeiten auf einfache Modelle zurückzuführen, meine berufliche Praxis. Andererseits bietet sie mir einen inneren Raum zum Atmen, während ich versuche, die Komplexität des Lebens durch Begriffe zu verstehen.
Beide Disziplinen nähren meine Motivation, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Zwischen der Entstehung einer Anwendung aus einer leeren Datei und dem Erwachen eines Gedankens auf einem leeren Blatt liegt für mich derselbe Zauber. Die Welt der Software hat mich gelehrt, diszipliniert zu denken, während die Literatur mir hilft, innerhalb dieses Netzes aus Logik das Menschliche und die Ungewissheit anzunehmen.
Ich weiß nicht, welche von beiden mich mehr verändert hat, aber ich weiß, dass diese Verbindung zwischen ihnen meiner Seele wirklich guttut.