Was, wenn ich auf dem falschen Weg bin?
Die Angst, auf dem falschen Weg zu sein, gehört eigentlich zu den ehrlichsten Fragen des Lebens. Denn nur ein suchender Geist stellt diese Frage.
Das, was wir Potenzial nennen, ist kein fester Gipfel, den man erreichen muss, sondern eine Möglichkeit, die sich im Leben öffnet und mit jedem Schritt Form annimmt. Selbst Wege, die wir für falsch halten, können uns zu tiefster Bewusstwerdung führen. Denn der Mensch findet sich nicht nur auf dem richtigen Weg, sondern auch an Abzweigungen und sogar im Verlorensein. Auch das, was er unterwegs an seine Seite nimmt, was er zurücklässt und was er auf vermeintlich falschen Wegen erfährt, unterstützt diese Bewusstwerdung.
Die eigentliche Frage ist nicht, auf welchem Weg du bist, sondern wie du diesen Weg gehst. Zehrt dieser Weg dich auf, oder vertieft er dich? Müde zu werden ist etwas anderes, als innerlich aufgezehrt zu werden. Wenn ein Weg dich von innen nährt, liegt darin Sinn, auch wenn er schwer ist.
Wenn du jedoch ständig inneren Verfall, Entfremdung und innere Stille spürst, wenn du aufgezehrt wirst, dann ist es nötig, die Richtung neu zu prüfen und ehrlich auf dich selbst zu blicken. Die Richtung zu ändern erfordert Mut. Sich dafür bereit zu fühlen, ist für sich genommen schon eine Konfrontation und eine innere Revolution.
Sinn liegt nicht unbedingt in einem großen Erfolg. Er liegt in der Aufrichtigkeit des Prozesses, in der Wirkung, die du entfaltest, in den Beziehungen, die du verwandelst, und in deiner Fähigkeit, auf jene innere Stimme zu hören, die in dir widerhallt. Potenzial liegt oft nicht in einem einzigen Beruf oder einer einzigen Rolle, sondern in der vielschichtigen Natur des Menschen und in seiner Fähigkeit, Licht in viele Richtungen zu werfen.
Und vielleicht ist das wahrhaftigste Potenzial jenes Bewusstsein, das all diese Fragen aufrichtig stellen kann. Denn wer trotz Angst und Zögern weitergeht, wird seinem Weg und seinem eigenen Potenzial bereits gerecht.