Das Einzelne und das Ganze
Was geschieht, geschieht, weil es geschehen soll.
Stell dir ein Puzzle vor, das sich nach dem Lebensfluss und den Entscheidungen eines Menschen formt, eine Ordnung, die sich durch die Momente, in denen sie das Leben anderer streift, ständig verändert. Wenn der Mensch aus unzähligen Möglichkeiten eine auswählt, verschieben sich die Teile.
Aber das ist kein Puzzle, wie wir es kennen. Jede Entscheidung verändert das Bild. Und jedes Mal, wenn das Bild neu entsteht, ergibt es wieder ein sinnvolles Ganzes. Das nennt man den einzelnen menschlichen Willen.
Dann gibt es Momente, in denen bestimmte Teile ihre Richtung ändern. Wir haben sie nicht gewählt, nicht danach gefragt, sie nicht gewollt. Aber der Wind des Lebens hat sie uns vor die Füße gelegt, und der Lauf der Ereignisse hat uns genau dorthin geführt. Das ist der umfassende göttliche Wille. Und wieder entsteht auf irgendeine Weise ein sinnvolles Bild. Das ist Schicksal.
Doch weil wir nur ein Teil dieses Ganzen sind, können wir nur den Teil des Bildes sehen, der sich uns zeigt. Die Stellen, die wir nicht sehen können, machen uns Angst. Deshalb nennen wir Schmerz manchmal Ungerechtigkeit, Mangel Benachteiligung und Verlust einen Fehler. Denn das große Bild lässt sich nur von oben sehen, während wir von der Rückseite des Puzzles darauf blicken.
Das Schwerste beginnt, wenn wir die göttliche Gerechtigkeit hinterfragen. Manchmal sehen wir sie, manchmal können wir sie erahnen, doch meistens bleibt unser Verstehen unvollständig. Und genau hier kommt der Glaube ins Spiel.
Manche von uns glauben, dass Gerechtigkeit nicht auf diese Welt beschränkt ist. Andere glauben, dass sie genau hier aufgebaut werden muss. Der eine gibt sich dem Glauben hin, der andere kämpft. Denn ob du glaubst oder nicht, selbst wenn eine Stimme in uns sagt, „So hätte es nicht sein dürfen“, bleibt irgendwo das Gefühl, dass es einen Grund dafür gibt, dass es so gekommen ist.
Und manchmal ist dieses Gefühl der Ort, an dem ein Glaube beginnt. Oder für jemanden, der gar nicht glaubt, der Ort, an dem die Suche nach Sinn und Wahrheit beginnt.
Deshalb weiß niemand, wie das Bild aussehen wird, wenn dieses wandelbare Puzzle sich nach jeder Möglichkeit, jeder Entscheidung und jedem Willen zusammensetzt. Aber tief in uns spüren wir alle, dass dieses Bild nicht sinnlos sein kann. Und vielleicht ist genau das wertvoller als alles andere.