Schau in die Ferne
„Schau in die Ferne. Schau ins Grüne. Lass deine Augen zur Ruhe kommen“, sagte mein Arzt.
Auch wenn man sich im Leben verliert, muss man den Blick in die Ferne richten. Dort finden sowohl die Augen als auch die Seele Ruhe. Denn je näher wir an die Dinge herantreten, desto größer wird alles. Kleine Sorgen verwandeln sich in riesige Berge, selbst kleine Schritte werden an schwere Ketten gebunden. Das Nahe ist das Detail. Und das Detail ist manchmal eine Last.
Wenn du in die Ferne blickst, verstehst du, dass weder ein Blatt sich seiner Kleinheit schämt noch ein Berg sich über das Gewicht seines Körpers beklagt. Alles ist an seinem Platz, alles ist so, wie es sein soll. Weder zu viel noch zu wenig.
Schau ins Grüne. Denn die Natur hat es nicht eilig, die Natur streitet nicht, die Natur macht keine Pläne. Das Wasser schiebt den Stein vor sich nicht weg, sondern ändert seinen Lauf, ohne ihn fortzudrängen. Und dennoch findet es seinen Weg.
Schau zum Horizont. Lass dich nicht von den Grenzen erschrecken, die du nicht sehen kannst. Ein Vogel misst seinen Flügel nicht, er vertraut dem Himmel. Auch du solltest manchmal aufhören, das Leben zu vermessen, und einfach nur vertrauen.
Wie deine Augen wird auch dein Herz müde. Und auch das Herz heilt manchmal einfach nur durch das Schauen. Nicht durch Kämpfen, nicht durch Fluchtversuche. Einfach nur durch Stillstehen. Einfach nur durch Schauen.
Lass die nahen Sorgen los. Lass die brennende Eile los. Lass los, lass einfach los. Und schau. In die Ferne, ins Grüne, in die Zeitlosigkeit.
Denn manchmal beginnt das Verändern des Lebens nicht mit Eingreifen, sondern damit, zur Seite zu treten und seinem Fluss zuzusehen.